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Aristoteles

Der Grieche Aristoteles (384-322 v.u.Z.) hielt die Frau für einen „missglücken Mann“, ein defektes Wesen. Eigentlich wolle die Natur nur vollkommene Menschen, also nur Männer hervorbringen, meinte er (und darüber wie dann wohl die Fortpflanzung vor sich gehen solle, machte er sich wohl keine Gedanken), – doch bei widrigen Zufällen – zum Beispiel feuchte Südwinde mit vielen Niederschlägen, wodurch Wesen mit höherem Wassergehalt entstehen – kommen dann eben auch Frauen zur Welt. Im Lexikon wird Aristoteles als „größter Gelehrter und einziger systematischer Philosoph des Altertums, Begründer der Logik“ bezeichnet.

Augustin

Für Kirchenvater Augustin (354 – 430 u.Z.) waren Frauen nur zu einem gut, nämlich zum Kindergebären: „Wenn die Frau nicht zur Hilfe des Kindergebärens dem Mann gegeben ist, zu welcher Hilfe dann? Etwa, damit sie zusammen die Erde bearbeiten? Wenn dazu einen Hilfe notwendig gewesen wäre, so wäre der Mann dem Mann eine bessere Hilfe. Das gleiche gilt vom Trost in der Einsamkeit. Wie viel angenehmer für das Leben und Gespräch ist es doch, wenn zwei Freunde zusammen wohnen, als wenn Mann und Frau beieinander wohnen!“ Das Gebäude der christlichen Kirche ist auf Frauenverachtung und Angst vor den Frauen aufgebaut. Per feminam venenum, per Christum salus – durch die Frau kam das Gift, durch Christus das Heil – war das Motto der Christenmänner der ersten Jahrhunderte.

Albertus Magnus

Mittelalter, christliches: Albertus Magnus, Albert der Große (1193 – 1280 u.Z.) führte unter anderem die verschrobene Biologie des Aristoteles in die Theologie ein. Er wurde zum „doctor universalis“ ernannt, heiliggesprochen und bekam 1941 vom Papst den Titel „Patron der Naturwissenschaften“ verliehen. Sein Schüler war Thomas von Aquin.

Thomas von Aquin

Thomas von Aquin (1226 – 1274 u.Z.) übernahm die Aristotelische Biologie, einschließlich dessen Theorie mit den Südwinden, und bezeichnete daher die Frau als „aliquid deficiens et occasionatum“ = etwas Mangelhaftes und Zufälliges. Außerdem entwickelte er mit der Lehre von den Incubi und Succubi teuflisches Getier, das den Menschen angeblich sexuell beiwohnten – ein System der Dämonologie, mit dem er den späteren Hexenverfolgungen geistig den Weg bereitete: alle mit den Verfolgungen befassten Theologen und Juristen kommender Jahrhunderte berufen sich auf ihn. Indem 1487 erschienenen, von zwei Dominikanern verfassten Buch „Der Hexenhammer“, das, vom Papst abgesegnet, zur offiziellen Verfahrensvorschrift für die Hexenprozesse wurde, ist Thomas von Aquin mit Abstand am häufigsten, nämlich 92 mal, und Kirchenvater Augustin zweithäufigsten, nämlich 77 mal, zitiert. (Die Dominikaner gründen sich auf Thomas von Aquin). Im Lexikon ist Thomas als bedeutendster Theologe der katholischen Kirche, Doctor angelicus, heiliggesprochen, aufgeführt, dort heißt es über ihn: „baute aus einigen Grundvoraussetzungen des Glaubens und der Vernunft ein großartiges System, das die scheinbaren Widersprüche Glauben und Wissen von innen her lösen will.“

Arzt und Universität

Es heißt nicht mehr „Heilkunde“ – es heißt „Medizin“, seit sich die Kirche im 13. Jahrhundert der Universitäten bemächtigt hatte. Bis dahin trafen sich Frauen, Moslems, Juden und Christen gemeinsam an den Hochschulen Salernos oder Montpelliers, um das Wissen zu mehren. Nun aber – und es gilt bis heute vom Grundsatz her – legte sie, die Kirche und ihre Anhänger, eine neue verbindliche Studienordnung fest:

„Man musste männlichen Geschlechts, streng katholisch und ehrbarer Herkunft sein … und bevor das eigentliche (medizinische) Studium aufgenommen werden durfte, standen Theologie, Philosophie, Latein und Logik auf dem Lehrplan.“ Vor jeder Behandlung musste (der Arzt war ja auch Priester) die Beichte abgenommen werden.

(Zitat von Peter Bochnik, „Die mächtigen Diener – Die Medizin und die Entwicklung von Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus in der europäischen Geschichte“, Reinbek, 1985)

Semm

Heute, ein Professor Semm, Kieler Universität, Zeit 14/84:

„Es ist letztlich die ureigenste Aufgabe einer Frau, ein Kind zu kriegen. Deswegen lebt eigentlich eine Frau, um die Rasse, die Art, jedenfalls den homo sapiens oder homo erectus zu bewahren. Das ist ihre ureigenste Aufgabe, alles andere, was dazu kommt – Beruf oder sonst was – das ist sekundär. Die Uraufgabe des Weibes ist schlechthin die Erhaltung der Rasse und Art. Wenn eine Frau dazu nicht fähig ist, dann ist eigentlich ihr ganzer Lebenszweck – vom biologischen her gesehen – unerfüllt. Demzufolge ist diese Nichtreproduktion des Weibes pathologisch, und was pathologisch ist, ist gleichzeitig krankhaft. Ganz klare Definition.“

Kobra

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Literatur-Hinweis: Erika Wisselinck, „Frauen denken anders“, 1984

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