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Gisa, 8. Juni 2018

Wenn wir versuchen, zu beschreiben, was „Strom“ ist, scheitern wir. Wikipedia erklärt stellvertretend, dass es ein Phänomen (der Elektrizitätslehre) ist. Wir können erklären, wie Strom funktioniert und wie wir ihn verfügbar machen können. An Strom wird außerordentlich umfangreich verdient. Meine Texte hier sind durch Strom möglich. Wir können ihn an Stärke messen und beobachten, dass er fließt. Trotzdem wissen wir nicht, um was es sich dabei genau handelt. Also sagen wir: Strom ist Energie.

Aber Energie ist auch ein Sturm, ein Wasserfall oder das Gebrüll eines Löwen. Trotzdem vergleicht niemand Strom mit Löwen – naheliegender Weise.

Strom nutzen wir. Er ist akzeptiert; vielleicht, weil er so viel Geld einbringt.

Hahnemann, Aquarell, Gisa

Genau so geht es uns mit Homöopathie. Wir wissen nicht, was Homöopathie ist. Wir beschreiben sie über ihren Wirkungserfolg oder über ihre Herstellung. Wir wissen nicht, wie sie wirkt. Jedoch können wir beobachten, dass sie es tut.

Von hier an unterscheidet sich die Homöopathie vom Strom. Sie ist als Heilmethode nicht akzeptiert, sofern es um den gesamtgesellschaftlichen Aspekt geht. Genau genommen wird sie vehement von vielen Seiten angegriffen. Das jedoch legt den Verdacht nahe, dass sie hochwirksam ist. Der einzige Haken: niemand verdient damit sonderlich viel Geld. Drei bis vier Hersteller reichen europaweit für die Produktion aus. Homöopath*innen verdienen sich daran auch keine goldene Nase, denn wenn die Homöopathie wirkt, sind die Menschen hinterher gesund. Gesunde sind keine Patienten, sie kommen also nicht wieder. Vielleicht in einigen Jahren, wenn jemand mal einen Schnupfen oder eine Magenverstimmung hat; oder wenn die Knochen wehtun, weil der Job körperlich überfordert. Tatsächlich lässt sich mit Homöopathie kein Wirtschaftszweig aufbauen, denn von Natur aus ist der Mensch gesund.

Das macht Homöopathie zur preisgünstigsten Therapiemethode überhaupt. Es lohnt sich also, über ihren Wirkungsweg nachzudenken. Wir werden zwar immer noch nicht erklären können, was Homöopathie ist. Jedoch können wir sie so verfügbar machen wie den Strom, den wir ebenso wenig definieren können.

Versuchen wir also einmal einen Wirkungsweg zu beschreiben:

  1. In der Sprechstunde werden alle Beschwerden aufgezeichnet. Sie werden im Katalog der einzelnen Arzneimittel nachgeschlagen und gelistet. Das Arzneimittel, das die höchste Trefferquote hat und am besten die Beschwerden beschreibt, hat den größtmöglichen Erfolg. Dies ist schwieriger, als es sich vielleicht anhört. Aber es braucht die Erfahrung, zielführende Beschreibungen von allgemeinen zu unterscheiden, um tatsächlich ein Arzneimittel herauszusuchen, dass Aussicht auf Erfolg hat.
  2. Nun wird die Potenz gewählt, in der das Arzneimittel genommen werden soll; ebenso wie die Dosis-Häufigkeit.
  3. Dann brauchen wir noch ein wenig Geduld, bis der Wirkungseintritt erfolgt. Dies kann zwischen Minuten und Tagen liegen. Menschen sind verschieden, ebenso wie ihre Beschwerden.

Was jedoch ist passiert? Das Arzneimittel verfügt über wenig bis keine Substanz. Es kann also nicht an der Substanz liegen, dass Heilung eintritt. Es muss also etwas mit dem Strom Vergleichbares sein: Energie.

Energie ist das, was wir selbst entwickeln, wenn wir etwas tun bzw. erreichen wollen. Dazu benötigen wir das Wissen, wie wir einen Plan entwickeln und ihn umsetzen. Basis unseres Handelns ist also eine Absicht. Um diese Absicht durchzuführen, brauchen wir Informationen. In diesem Zeitalter der Information muss ich das wohl nicht näher erklären. Jeder hat Bücher oder einen Computer oder ein Smartphone und / oder alle dieses. Wir sind also bestens informiert, wenn wir das wollen.

Ein homöopathisches Arzneimittel ist also die richtige Information. Sie steht der Gesamtheit des Seins (Körper, Gefühl, Denken) zur Verfügung. Diese Gesamtheit kann mit dieser Information vergleichen, was gerade nicht funktioniert, und ihren inneren Systemablauf korrigieren.

Impulsgebend wirkt auf unser Handeln erst einmal das Gefühl etwas zu wollen, dann die Idee, dann die Aktion, um es nun in der Realität zu erfassen:

Gefühl / Sympathie → Idee, Gedanke → Handlung → handfestes Ergebnis.

All unser Dasein fußt also auf dem Gefühl, sich damit zu verbinden, was wir als Vorsatz haben und erreichen wollen. Der Ablauf erfolgt also über die „Psyche“ hin zum Körper („Soma“) als durchführendes Instrument. Zwischenstufen sind gedanklicher Aufbau und die umsetzende Handlung: Psychosomatik. Diesen Ausdruck habe ich schon Mitte der 70er Jahre dafür eingesetzt, um den Ablauf zu beschreiben.

Ich beobachte seit Jahrzehnten, welche Gefühle und Hintergründe sich hinter Beschwerden, aber auch Arzneimittelbildern verbergen. Aus meiner Sicht hat es sich gelohnt, denn oft findet sich ein Gefühl, das dem Ereignis / der Krankheit vorgeschaltet ist. Ebenso funktioniert der Heilungsweg: Umgang mit dem Gefühl, Verbesserung der Ausgangsposition, Arzneimittel als „Verstärker“ → Heilung. Es ist also Information auf allen Ebenen, was Heilung herbeiführen kann.

Dies ist ein sehr individueller Weg, der höchstens einer homöopathischen Praxis und einer psychotherapeutischen Anleitung ein wenig Einnahme verspricht. Ein großer Umsatz ist jedoch nicht zu erwarten. Dies erklärt, warum sich eine wirtschaftlich orientierte Gesellschaft für diese Verfahrensweise nicht interessiert, sie sogar ablehnt. Es ist nichts substantiell ausmachbar, was sich in Packungen bringen lässt, um es als Dauereinnahme zu „versilbern“.

 

Homöopathisch habe ich dies am Arzneimittel Rhus toxicodendron erklärt.