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Sumpf-Mädesüß, Wiesenkönigin, Rosaceae.

Name:

Filipéndula ulmária (L.) Maxim. (= Spiraéa ulmária L., = Ulmaria pentapetala Gilib., = U. palustris Moench). Sumpf-Mädesüß, Wiesenkönigin, Rüsterstaude, Wiesengeißbart. Französisch: Reine des prés, ulmaire; englisch: Meadowsweet, queen of the meadows; italienisch: Olmaria; dänisch: Engdronning, Mjödurt; polnisch: Tawula; russisch: Tawolga; schwedisch: Älggräss; tschechisch: Tužebnik jilmovy; ungarisch: Bajnóca.

Verbreitungsgebiet

Weiteres Vorkommen: Nördliches Sibirien, Altai, östliche Mongolei bis Kleinasien.

Namensursprung:

Spiraea, der von Theophrast gebrauchte griechische Name, kommt wohl von σρεΐρα (speira) = Gewinde im Hinweis auf die Eignung der Pflanzen, sie zu Girlanden zu flechten. Ulmaria ist von Clusius als Übersetzung der deutschen Rüsterstaude eingeführt worden. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Pflanze hauptsächlich Geiß- oder Bocksbart genannt.

Volkstümliche Bezeichnungen:

Die niederdeutschen Benennungen Mäsöt, Sötmei (Umkehrung des erstgenannten Namens), Mäkrut, Melsöt (Lübeck), Miärsöt (Westfalen) entsprechen wohl dem (Bücher-) Namen Mädesüß, das seinerseits im englischen meadow-sweet (Wiesensüß) und im dänischen mjödurt (Metkraut, nach der Verwendung der Blüten als Zusatz zu Getränken) wiederkehrt, also jedenfalls mit „Mädchen“ nichts zu tun hat. In vielen Gegenden wird die Pflanze zum Ausreiben der Bienenstöcke benützt, daher Immenkraut (Schleswig), Impenkraut (bayrischösterreichisch). Imbelichrut (Schweiz), Beinkraut, Bienenkraut (bayrisch-österreichisch), Beinnosset (Böhmerwald), Beietrost (Aargau). Großer Happelbort, Bocksbart (Oberharz), Geistbart (st. Geiß-) (Riesengebirge), Bocksbart (Aargau). Wilder Flieder (Ostpreußen: Saalfeld), falscher Holler (Böhmerwald), wilder Holler (Baden) nehmen auf die äußerliche Ähnlichkeit der Blütenstände mit denen des Holunders Bezug. Auf die volksmedizinische Verwendung weisen hin Bärmuttersträuße (Böhmerwald), Frauwenkrut (Gotha), Krampfkrut (Elsaß). Andere Benennungen sind schließlich Muckröem (untere Weser), Brannwiensblome (Geruch der Blüten) (Bremen), Sötbeeten (Mecklenburg), Roodstengel (untere Weser), Federblume (Westfalen), Stolzer Heinrich (Nordböhmen), Honigblüte (Riesengebirge), Geißleitere (Schweiz), Därrfleisch (Gotha).

Botanisches:

Die 1-1 1/2 m hohe Staude ist vorwiegend über Ostasien und Nordeuropa verbreitet. Ihr kantiger, oberwärts ästiger Stengel ist reich mit wenigjochigen behaarten Blättern besetzt. Die kleinen gelblichweißen Blüten duften sehr stark und sind zu vielstrahligen Trugdolden vereinigt. Ihr kriechender, kettenähnlicher Wurzelstock ist aus einer Reihe von Trieben zusammengesetzt (Sympodium), die verschiedenen Generationen angehören. Spiraea ulmaria wächst meist sehr gesellig im Röhricht und in Auengehölzen auf kalkreichen wie auf kalkarmen Böden. Trotz ihres immerhin feuchten Standortes besitzt die Pflanze mehrere xerophytische Merkmale: eine dicke Cuticula der Blattoberseite, Profilstellung der Blätter und eine periodische Behaarung derselben, d. h. die Sommerblätter sind sehr stark, die Frühlings- und Herbstblätter dagegen wenig behaart. Mit der Behaarung geht eine Veränderung im anatomischen Bau Hand in Hand. Blütezeit: Juni bis Juli.

Geschichtliches und Allgemeines:

Die alte Literatur gibt uns nur wenig Auskunft über die therapeutische Geschichte der Spiraea ulmaria. Auch im 16. Jahrhundert finden sich in den Kräuterbüchern nur vereinzelte Angaben. Die jungen Sprosse werden von Schafen und Ziegen gern gefressen und können auch als Notgemüse gebraucht werden. In Skandinavien werden die Blüten dem Wein und Bier zugesetzt. In Rußland galt die Wurzel, innerlich und äußerlich angewandt, als ein Mittel gegen den Biß toller Hunde.

Wirkung

Lonicerus und Bock fassen Waldgeißbart (Aruncus silvester) und Wiesengeißbart zusammen und schildern die Wurzeln dieser Pflanzen als gallenreinigend und nützlich gegen die Rote Ruhr. Das Kraut soll, äußerlich angewandt, Knollen und Geschwüre zerteilen, Pfeile und Dornen ausziehen und die Blätter sollen blasenziehend wirken.

In der heutigen Volksmedizin werden die Blüten als krampfstillendes, diuretisches und schweißtreibendes Mittel angewandt, während die Wurzel zur Krampfstillung und Schmerzlinderung bei Steinleiden und Hämorrhoiden Verwendung findet. In Rußland sollen die Sproßspitzen auch als Emmenagogum gebraucht worden sein.

Wie Schulz berichtet, ist die starke und schnell einsetzende diuretische Wirkung der Blüten besonders im Verlaufe von Scharlachnephritis auch von ärztlicher Seite festgestellt worden.

Ebenso hatte Tessier, Lyon, schon im Jahre 1851 in klinischen Versuchen beobachtet, daß die Steigerung der Diurese durch die Blüten unbestreitbar ist.

Leclerc bezeichnet sie als ein ausgezeichnetes Adjuvans bei akutem Gelenkrheumatismus. Nach ihrer Verabreichung sah er in mehreren Fällen eine reichliche Diurese auftreten, durch die die Ergüsse in die Gelenke und Bauchhöhle aufhörten. Der von ihm zitierte belgische Arzt Hannon konnte in zwei Fällen von Hydrops und bei Aszites eines Phthisikers prompte Wirkung beobachten.

Als gutes Fiebermittel wird Spiraea ulmaria von Wizenmann bezeichnet, und Künzle empfiehlt sie bei Febris puerperalis.

Im Tierversuch wurde die antifebrile Wirkung am Kaninchen geprüft. Die Tiere, die 10 ccm Heuinfus i. p. bekommen hatten, zeigten eine Temperatur von 40°. Nach Injektionen der Spiraeatinktur sank die Temperatur sofort auf den normalen Wert (zwischen 38 und 39° C). Bei einer Nachprüfung konnten diese Ergebnisse leider nicht bestätigt werden, da die Fiebererzeugung durch Heuinfus sich nicht regelmäßig reproduzieren ließ. Die Homöopathie macht von ihr bei rheumatischen und gichtischen Schmerzen, rheumatischen Herzaffektionen, Akne, Kopfschmerzen mit Schwindel und Kongestionen, brennenden Magenschmerzen und Magendarmkatarrh Gebrauch.

Die Blüten enthalten 0,2% ätherisches Öl mit Salicylaldehyd, Methylsalicylat-Salicylsäuremethylester und Spuren von Heliotropin und Vanillin, ferner auch freie Salicylsäure, anscheinend Zitronensäure und Gerbstoff, Wachs, Fett und den Farbstoff Spiraein. Der Wurzelstock liefert ätherisches Öl mit dem Hauptbestandteil Methylsalicylat und das Glykosid Gaultherin (neuerdings als Monotropitin bezeichnet), das durch Einwirkung des gleichfalls vorhandenen Fermentes Gaultherase Methylsalicylat bildet. Das Glykosid Gaultherin ist auch in den unteren Teilen des Krautes nachgewiesen worden.

Verwendung in der Volksmedizin außerhalb des Deutschen Reiches (nach persönlichen Mitteilungen):

Norwegen: Als Diaphoretikum (I. R.-K.).

Polen: Die Blüten als schweißtreibendes Mittel bei Fieber und Gicht.

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Spiraea ulmaria ist-ähnlich wie Salix alba-als vegetabilisches Salizylat zu bezeichnen. Man gibt das Mittel gern und mit gutem Erfolge bei gichtischen und rheumatischen Erkrankungen, die häufig mit Herzleiden mit unregelmäßigem Puls verbunden sind, als Diuretikum bei Blasen- und Nierenleiden (Cystitis, Nephritis, besonders nach Scharlach, schwacher Diurese, Harnzwang), Harnsäure-Diathese, Hydrops, auch Aszites, und als Diaphoretikum und Ableitungsmittel auf die Haut bei fieberhaften Affektionen, z. B. Masern, wo es die Exanthembildung beschleunigen und verstärken soll.

In der Homöopathie wird das Mittel gegen nervöse Leiden, Neurosis cordis, Herzpalpitationen, Kopfschmerzen mit Schwindel und Kongestionen sowie brennende Magenschmerzen angewandt.

Klöpfer läßt außerdem noch bei Kälberlähmung innerlich den Tee geben und gleichzeitig Umschläge mit Spiraea machen.

Angewandter Pflanzenteil:

Bock und Lonicerus kennen die Verwendung von Wurzel und Kraut.

Wurzel, Kraut und Blumen bezeichnet Geiger als offizinell.

Wasicky erwähnt nur die Blüten, ebenso Schulz.

Clarke, Allen und Schmidt lassen die Essenz aus der frischen Wurzel bereiten.

Hager nennt von Spiraea ulmaria nur die Blüten als verwendet, Kraut und Wurzel dagegen von Spiraea filipendula.

Thoms führt an, daß Radix Ulmariae und Folia Ulmariae in Portugal offizinell seien. Vor allem aber nennt er Flores Spiraeae (ulmariae), die offizinell in der Schweiz, Belgien und Portugal sind.

Das HAB. gibt die frische Wurzel als verwendeten Pflanzenteil an (§ 3). Zur Herstellung des „Teep“ wird die frische Pflanze (Wurzel, Kraut und Blüten) verwendet.

Dosierung:

Übliche Dosis:

3 g des Wurzelpulvers (Dinand);

1-2 Teelöffel der Tinktur (Leclerc);

1-2 Teelöffel voll (= 2,6-5,2 g) des Krautes zum kalten Auszug täglich.

1 Tablette der Frischpflanzenverreibung „Teep“ alle zwei Stunden.

(Die „Teep“-Zubereitung ist auf 50% Pflanzensubstanz eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,125 g Hb. Spiraeae ulm. c. flor. et rad.)

In der Homöopathie:

Ø bis dil. D 1.

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt.

Rezepte:

Bei Gicht und Rheuma:

Rp.:

Hb. Spiraeae ulmariae 50 (= Mädesüßkraut) D.s.: 1 Teelöffel voll mit 1 Glas Wasser kalt ansetzen, 8 Stunden ziehen lassen und tagsüber trinken. Preis nach Arzneitaxe 10 g -.05 RM.

Als schweißtreibendes Mittel (nach Ripperger):

Rp.:

Fol. Betulae conc. (= Birkenblätter) Hb. Violae tricolor. conc. (= Stiefmütterchenkraut) Flor. Spiraeae aa 15 (= Mädesüßblüten) Fol. Jaborandi conc. 5 (= Jaborandiblätter) M.f. species. D.s.: 1 Eßlöffel auf 1 Tasse Wasser zum Aufguß. Den Tee möglichst heiß trinken. Rezepturpreis ad chart. etwa -.92 RM.

Bei rheumatischen Beschwerden und Cystitis (nach Ulrich):

Rp.:

Rad. Spiraeae ulmariae (= Mädesüßwurzel) Hb. Anagallidis (= Kraut vom Ackergauchheil) Hb. Linariae (= Leinkraut) Hb. Galeopsidis (= Hohlzahnkraut) Rad. Ononidis (= Hauhechelwurzel) Hb. Verbasci thapsif. aa 10 (= Königskerzenkraut) M.f. species. D.s.: 3 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser, vgl. Zubereitung von Teemischungen S. 291. Rezepturpreis ad chart. etwa -.97 RM.

Bei Hydrops (nach Dinand):

Rp.:

Bacc. Juniperi 10 (= Wacholderbeeren) Rad. Sambuci ebuli (= Attichwurzel) Fol. Rosmarini (= Rosmarinblätter) Hb. Equiseti aa 20 (= Schachtelhalmkraut) Rad. Spiraeae 30 (= Mädesüßwurzel) M.f. species. D.s.: Zubereitungsvorschlag des Verfassers: 2 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser, vgl. Zubereitung von Teemischungen S. 291. Rezepturpreis ad chart. etwa -.97 RM.

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Inhaltsverzeichnis: Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Gerhard Madaus (+ 1942), Ausgabe Leipzig 1938

Auf Bilder / Photos des Lehrbuches wurde wegen mangelnder Aktualität / Qualität verzichtet. Ebenso ist die Einführung in dieser Online-Version nicht vorhanden. Sie können hier ausschließlich auf die Besprechung der einzelnen Pflanzen zurückgreifen. Die Rezepturen werden in das Kompendium im Laufe der Zeit eingearbeitet. Vorhandene Fotos: Rechte beim Verlag erfragbar.

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