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Geißfuß, Umbelliferae.

Name:

Aegopódium podagrária L. (= Ligusticum podagraria Crantz, = Sium podagraria Weber, = Sison podagraria Sprengel, = Carum podagraria Roth, Baillon, = Pimpinella podagraria Lestib. Bot. Belg. II [1827], pag. 269!, = Apium podagraria Caruel, = Selinum podagraria E, H. L. Krause, = Seseli aegopodium Scop., = Podagraria aegopodium Mönch, = Tragoselinum angelica Lam., = aegopodium angelicaaefolium St. Lager, = Sium vulgare Bernh., [nec. Gueldenst.] sec. Ind. Kew., = Apium biternatum Stokes, = Aegopodium latifolium Turcz., = Podagraria erratica Bubani). Geißfuß, Dreifuß, Zipperleinskraut, Gicht- oder Podagrakraut, Hinfuß, Hinlauf, Giersch. Französisch: Egopode podagraire, petite angélique, pied de bouc, pied de chèvre, horbe aux goutteux; englisch: Goutweed, herb-Gerard, ash-weed, white ash-herb, wild masterwort, english masterword (in Nordamerika), dwarf elder, Bishops elder, dogelder, Bishops weed, garden-plague; italienisch: Gastalda, castaldina, erba gerada (oder girarda), giardina, podagraria, piccola angelica, angelica silvestre; dänisch: Skvalderkaab, Gavler; litauisch: Garšva; norwegisch: Busmäkker; polnisch: Podagrycznik, Gier; russisch: Snyt; tschechisch: Brslice obecná, kozí noha; ungarisch: Podagrafü.

© Gisa, Aegopodium, Blätter

© Gisa, Aegopodium, Blätter

© Gisa, Aegopodium, Blüten

© Gisa, Aegopodium, Blüten

 

Verbreitungsgebiet

Verschleppt v. eingebürgert in Nordamerika.

Namensursprung:

ιξ (aix) = Ziege, ποΰς (pous) = Fuß, άιγιπδης (aigipodes) = ziegenfüßig, bezieht sich auf die wegen der eingeschlagenen Züngelchen einem Ziegenfuß ähnelnden Blumenblätter. Podagrarius = fußgichtheilend (ποΰζ [pous] = Fuß, γρα [agra] = Fessel).

Volkstümliche Bezeichnungen:

Die Blätter werden häufig mit den Füßen bzw. Fußspuren verschiedener Tiere verglichen: Geißetritt (Baden), Gänstritt (Böhmerwald), Bäratapä (Schweiz), Hirschtritt, -stapfete (Schwäbische Alb), Hasätopä (Schweiz), Hennätöpli (St. Gallen), Hühnertotsch (Böhmerwald), Krahfuß = Krähenfuß (Kärnten), Grånhax’n, Kronfuaß (Niederösterreich), Kreinföt (Schleswig), Feärkenfäute = Ferkelfüße (Westfalen: Iserlohn). Als Futter für Geißen, Gänse und Schweine heißt die Pflanze auch: Geeskool (nordwestliches Deutschland), Geißechrut, -schärlig (Schweiz), Gaisemous = Gänsemus (Westfalen), Ge(n)sgras, -kraut, Schä(r)tele (Schwäbische Alb), Säuchrut (Aargau). Auch ist der Giersch als Bewohner feuchter, schattiger Stellen das Schnäggächrut (St. Gallen).

Botanisches:

Die fast in ganz Europa verbreitete, auch in Nordamerika eingeschleppte ausdauernde Pflanze wächst gern in feuchten Gebüschen, an schattigen Waldrändern, an Flußufern, in Auen und an Straßenrändern, zuweilen kommt sie auch als Epiphyt auf Weiden und Bergahorn vor. Ihr hohler, kantig-gefurchter, aufrechter Stengel trägt gestielte Grundblätter und doppelt-dreizählig zerschnittene Blätter mit eiförmigen, scharf und ungleich einfach- bis doppelt-gesägten Abschnitten, während die obersten Blätter einfach dreizählig sind. In großen Dolden stehen meist zwitterige, weiße, seltener rosa Blüten. Die braune kümmelähnliche Frucht läßt sich leicht in die beiden Teilfrüchte trennen. – Die Vermehrung der Pflanze geschieht durch unterirdische Ausläufer, oft in so starkem Maße, daß sie ein lästiges, schwer auszurottendes Unkraut wird, das infolge seines hohen Wassergehaltes (87%) auch als Futter nicht geschätzt wird. Blütezeit: Juni bis Juli.

Geschichtliches und Allgemeines:

In alten Kräuterbüchern wird Aegopodium podagraria als Herba Sancti Gerhardi bezeichnet (nach dem wohltätigen Abt Gerhard von Brogne [gest. 959]). Thal erwähnt die Art 1577 für den Harz als Angelica erratica. C. Bauhin (1623) kennt sie als Angelica silvestris minor sive erratica. Im Herbarium von Rostius in Lund aus dem Jahre 1611 ist sie als Pimpinella major. vertreten. Die jungen Blätter, Blattstiele und Stengel, die einen schwachen Möhrengeruch besitzen, geben, wie Spinat zubereitet, ein zartes und schmackhaftes Wildgemüse bzw. Salat, der schon im 14. Jahrhundert am polnischen Königshofe sehr geschätzt worden sein soll. Noch heute bildet der Geißfuß vielerorts in Nordwestdeutschland einen der Hauptbestandteile des früher allgemein bekannten Frühjahrsgerichtes, der sog. „Neunstärke“. Um Osnabrück auch unter dem Namen „Kott-Moos“ bekannt, welche besonders am „Grünkräutertag“ (Gründonnerstag) gegessen und „Grüne Suppe“ genannt wird. Er gehört also zu den sog. „Neunerleikräutern“, neben 2. Rumex acetosa, 3. Taraxacum officinale oder Cichorium Intybus, 4. Lamium album und L. purpureum oder Urtica dioica, 5. Pimpinella saxifraga (bzw. Sanguisorba minor oder S. officinalis), 6. Veronica Beccabunga oder Bellis perennis, 7. Sedum rupestre, 8. Achillea millefolium oder A. ptarmica und 9. Oxalis acetosella. In einzelnen Gegenden werden verschiedene dieser Arten durch Arnoseris pusilla, Lactuca perennis, junge Rapstriebe, Spitzen von Hopfenranken, Blätter von Johannisbeeren, Schnittlauch usw. ersetzt. Ehedem zog alt und jung hinaus, um diese z. T. als heilkräftig geltenden Kräuter selbst zu sammeln und sie dann möglichst fein gehackt (gewiegt) mit Kuhfleisch, Mettwurst oder Speck unter Beigabe von Hafergrütze oder Mehl zu kochen.

Wirkung

Die im Namen der Pflanze angedeutete Wirkung gegen Podagra kannte schon Matthiolus,

und auch Johnson gibt eine gute Beschreibung der Pflanze und ihrer Heilkraft bei Podagra, die sich nicht nur auf eine Linderung der Schmerzen beschränke, sondern zugleich Rückgang der Schwellung und Entzündung bewirke. Außerdem sollen Kraut und Wurzel als Bad und heiße Auflage bei Hämorrhoiden dienlich sein.

Die Anwendung des zerquetschten Krautes gegen Podagra hat sich in der Volksmedizin bis heute gehalten, daneben dient es auch als Wundmittel.

Der Schweizer Kräuterpfarrer Künzle empfiehlt es gegen Gicht, Ischias und Rheuma, ferner bei Vergiftungen und äußerlich gegen Mückenstiche.

In Ostpreußen wird der Geißfuß oder Giersch den Schweinen bei Rotlauf gegeben; Schweine, die öfter Giersch fressen, sollen keinen Rotlauf bekommen (nach dem Verf. persönlich zugegangener Mitteilung).

Von Inhaltsstoffen ist nichts bekannt.

Verwendung in der Volksmedizin außerhalb des Deutschen Reiches (nach persönlichen Mitteilungen):

Litauen: Verdauungsstörungen.

Anwendung:

In der Veterinärmedizin ist Aegopodium podagraria indiziert bei Rotlauf der Schweine.

In der Humanmedizin verwendet man es in erster Linie bei Podagra. Aber auch für gichtisch-rheumatische Erscheinungen ist es in Gebrauch, ferner bei Darmstörungen mit abwechselndem Durchfall und Verstopfung sowie bei Nierenschwäche und Blasenleiden.

Aegopodium wird vor allem als Gemüse, selten in Arzneiform verwendet.

Angewandter Pflanzenteil:

Nur Gerard-Johnson lassen auch die Wurzel des Giersch mit verwenden. Alle übrigen Angaben beziehen sich auf das Kraut. Schulz erwähnt die Wirkung der frischen, zerquetschten Blätter und Clarke läßt die Essenz aus der frischen Pflanze herstellen. Das „Teep“ wird aus dem frischen Kraut gewonnen, aus dem auch die homöopathische Urtinktur nach dem HAB. hergestellt wird (§ 3).

Die günstigste Sammelzeit dürfte Juni bis Juli sein.

Dosierung:

Übliche Dosis:

3 Teelöffel voll (=2,6-3,9 g) des Krautes täglich zum heißen Infus.

1 Teelöffel der Frischpflanzenverreibung „Teep“ dreimal täglich.

(Die „Teep“-Zubereitung ist auf 50% Pflanzensubstanz eingestellt.)

In der Homöopathie:

Ø, dreimal täglich 10 Tropfen.

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt.

Rezepte:

Bei Gicht und Rheuma:

Rp.:

Hb. Aegopodii podagrariae 40 (= Gierschkraut)
D.s.: 3 Teelöffel voll auf 2 Glas kochendes Wasser,10 Minuten ziehen lassen und tagsüber trinken.

Bei Podagra:

Das zerquetschte Kraut als Umschlag auflegen.

Bei Gicht, Ischias und Rheuma (nach Künzle):

Rp.:

Hb. Aegopodii podagr. (= Gierschkraut)
Fol. Salviae (= Salbeiblätter)
sive Fruct. Juniperi  aa  20 (= Wacholderbeeren)
C.m.f. species.
D.s.: 2 Teelöffel auf 1 Glas Wasser
vgl. Zubereitung von Teemischungen

Bei Hämorrhoiden (nach Johnson):

Rp.:

Hb. et Rad. Aegopodii pod. 100 (= Kraut und Wurzel vom Giersch)
D.s.: Abkochen und den Absud einem Sitzbad zufügen oder das frisch gesammelte Kraut brühen und so heiß es vertragen wird, auf die Hämorrhoiden auflegen.
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Inhaltsverzeichnis: Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Gerhard Madaus (+ 1942), Ausgabe Leipzig 1938
Auf Bilder / Photos des Lehrbuches wurde wegen mangelnder Aktualität / Qualität verzichtet. Ebenso ist die Einführung in dieser Online-Version nicht vorhanden. Sie können hier ausschließlich auf die Besprechung der einzelnen Pflanzen zurückgreifen. Die Rezepturen werden in das Kompendium im Laufe der Zeit eingearbeitet. Vorhandene Fotos: Rechte beim Verlag erfragbar.

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